Physiologie des Sterbens

Was passiert im Körper, wenn er stirbt?

Sterben ist als ein Prozess zu sehen, der sich auch im Körper wiederspiegelt. Wenn der Mensch stirbt, verändert sich der Körper nach und nach und es entstehen Symptome, die für die Angehörigen zunächst vielleicht ungewohnt sind, sich physiologisch jedoch erklären lassen.

Erste Anzeichen für den Eintritt in die Sterbephase sind häufig, dass der Sterbende sehr viel mehr Schlaf benötigt als gewohnt und vielleicht wenig spricht. Manchmal entstehen sehr undeutliche Nachrichten, die von den Angehörigen nicht mehr verstanden werden können. Das Bewusstsein wird immer eingeschränkter und es kann sogar zu Verwirrtheitszuständen kommen.

Der Körper eines Sterbenden fährt den Stoffwechsel herunter, denn er benötigt keinen Aufbau von Ressourcen mehr. Das Gehirn sendet Stressbotenstoffe aus. Diese beiden Prozesse führen dazu, dass Essen und Trinken oftmals verweigert wird, weil der Körper es schlicht und einfach nicht mehr braucht. Viele Angehörige haben Angst davor, dass ihre Angehörigen verdursten könnten, wenn sie nicht genug Flüssigkeit erhalten. Doch die verminderte Menge an Flüssigkeit kann für den Körper durchaus förderlich sein, da es zur Ausschüttung von Endorphinen kommt, welche beruhigend wirken und Schmerzen lindern können. Wichtig ist jedoch eine gute Mundpflege durchzuführen, da das Gefühl von Durst über die Schleimhäute ausgelöst wird. Diese regelmäßig zu befeuchten, schafft Erleichterung.

Das Blut zieht sich ins Zentrum zurück, um die wichtigsten Organe wie Herz, Lunge und Gehirn zu versorgen. Dies führt häufig dazu, dass Hände und Füße erkalten. Es kann auch zu bläulich verfärbten Flecken und blauen Nägeln kommen, da diese nicht mehr vollständig durchblutet werden. Auch der Magen-Darm-Trakt stellt nach und nach die Arbeit ein, die Nieren werden weniger durchblutet. Daher wird kaum noch Urin ausgeschieden und Giftstoffe reichern sich im Blut an. Dadurch kann es dazu kommen, dass der Patient immer müder wird.

Schlussendlich verändert sich auch die Atmung während der letzten Lebensstunden und -minuten, bevor der Tod eintritt. Es kann immer wieder zu Atempausen von einigen Sekunden kommen, nach denen die Atmung jedoch erneut wieder einsetzt. Häufig kann man die sogenannte Rasselatmung hören. Da Husten und Schlucken nicht mehr möglich sind, sammelt sich der Schleim in den oberen Luftwegen, kann nicht abgehustet werden und pendelt sozusagen in der Atemluft hin und her. So entsteht das Geräusch eines „Rasselns“, das den Angehörigen oft Angst macht, da sie befürchten der Sterbende könnte eine Luftnot verspüren oder ersticken. Man bezeichnet diese Form der Atmung auch als Todesrasseln. Doch die Rasselatmung ist für den Sterbenden keine Belastung, auch wenn sie sich bedrohlich anhört. Die forcierte Gabe von Flüssigkeit kann die Rasselatmung noch verstärken, sie kann jedoch auch medikamentös abgemildert werden. Viele Sterbende sind nicht mehr bei Bewusstsein, jedoch geht man durchaus davon aus, dass der Sterbende spürt, dass man sich in Form von Mundpflege, Berührungen, Musik, etc. um ihn kümmert.

Ein weiteres Phänomen, das viele beunruhigt, ist die sogenannte Schnappatmung, die zuletzt eintreten kann. Es folgen nochmal lange, unregelmäßige und tiefe Atemzüge mit mehrminütigen Atempausen dazwischen. Diese Atmung entsteht folgendermaßen: Das Herz schlägt immer langsamer bis es schließlich ganz stillsteht. Somit wird der Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Das Gehirn stellt seine Funktionen ein. Das Großhirn ist schließlich schon ausgesetzt, lediglich das Stammhirn sendet ein letztes Signal in Form dieser Atmung. Der Sterbende merkt davon jedoch nichts mehr, da er nicht mehr bei Bewusstsein ist.

Der Sterbeprozess kann sich unterschiedlich zeigen. Die genannten Aspekte können vorkommen – müssen aber nicht. Es ist zu sehen, dass das Sterben oft dem Leben gleicht. Menschen, die in ihrem Leben eher still waren, machen sich oftmals auch leise auf die Reise. Menschen, die immer Macher und Kämpfer waren, gehen eventuell so wie sie gelebt haben und der Prozess zieht sich oft über Stunden und Tage hin und kann für Angehörige manchmal als mühsam erlebt werden.

Aber im Rückblick auf das Sterben äußern Angehörige zumeist, dass der Sterbeprozess zum jeweiligen Menschen und seinem Leben gepasst hat und dass diese Zeit der Begleitung im Sterben eine sehr wertvolle und einzigartige Zeit gewesen ist.